FAQ

Für welche Kinder ist die Schule geeignet?

Die Schule ist offen für alle Kinder im schulpflichtigen Alter.

Wichtig ist, dass sich die Eltern mit dem Konzept auseinandergesetzt haben und hinter diesem stehen. Wesentliche Punkte sind das Vertrauen in die selbstbestimmte Tagesgestaltung der Kinder und Jugendlichen und darin, dass sie sich in individueller Geschwindigkeit das aneignen was sie für ihr Leben brauchen.

Wie sieht der Unterricht an der Schule aus?

Wir arbeiten jahrgangsübergreifend in Form des offenen Unterrichts. Die Kinder und Jugendlichen entscheiden sich individuell für ihre Arbeitsform, mit wem und in welcher Zeit sie ihr selbst gewähltes Thema bearbeiten. Es hängt von ihnen ab, ob sie eigenverantwortlich Materialien nutzen oder Projekte und Angebote organisieren bzw. besuchen. Dafür sind Räume für verschiedene Aktivitäten vorbereitet. Angebote werden individuell zwischen den Nutzern und Initiatoren der Angebote verabredet, dabei wird auch besprochen, ob die Veranstaltung für die Teilnehmer verbindlich ist oder jeder kommen und gehen kann wie er möchte.

Was versteht ihr unter vorbereiteter Umgebung?

Zur vorbereiteten Umgebung gehört nicht nur die Einrichtung des Raumes, sondern in unserem Verständnis auch die Kultur wie miteinander umgegangen wird. Das umfasst die Zeit in der Schule und die Auffassung dieser als Lebensraum, der bewusst auf die Bedürfnisse aller Anwesenden, der Kinder und Jugendlichen sowie der Erwachsenen, abgestimmt ist.

Die Räume werden für die Kinder und Jugendlichen entsprechend strukturiert und eingerichtet (Toberaum, Ruheraum, Werkstatt, Spielen, Verkleidekammer…). Es gilt eine klare, von den Kinder überschaubare Ordnung zu schaffen, in der alles seinen Platz hat. Dort finden sich Materialien, die zum Experimentieren, Erforschen und Entdecken genutzt werden können. Dabei finden sich selbsterklärende Materialien (z.B. Montessori-, Fröbelmaterial), mit denen sich das Kind selbständig spezielle Themengebiete spielerisch erschließen kann. Im Miteinander bedeutet für uns vorbereitete Umgebung einen angstfreien, von Gleichwürdigkeit und Respekt geprägten Umgang zu entwickeln. Dazu gehören auch Regeln und Grenzen, die die Sicherheit der entspannten Atmosphäre garantieren. Diese werden gemeinsam gestaltet und können verändert werden, je nach Bedarf und Erfahrungen der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen (z.B. in der Schulversammlung).

Drei Grundregeln sind jedoch nicht veränderbar:

  1. Wir verletzen einander nicht (verbal und/oder körperlich)
  2. Keiner wird in seiner Beschäftigung gestört
  3. Materialien werden nach Benutzen wieder an ihren Platz geräumt

Was bedeutet gleichwürdiger Umgang?

Der Begriff der Gleichwürdigkeit stammt von Jesper Juul. In gleichwürdigen Beziehungen wird beiden Seiten der gleiche menschliche Wert zugeschrieben und der gleiche Respekt entgegen gebracht, obwohl sie weder gleichgestellt noch ebenbürtig sind, weil sie sich in Status und Macht unterscheiden. Die Ansichten, Gefühle, Wahrnehmungen und das Selbstverständnis beider Seiten haben den gleichen Wert für den Aufbau und die Entwicklung der Beziehung.

Welche Aufgaben hat der Lehrer/Pädagoge?

Die Pädagogen begleiten und ermöglichen die Entwicklungsprozesse der Kinder und Jugendlichen und sorgen für die entsprechende Gestaltung der Umgebung (Ausstattung mit Materialien, Angebote, etc.). Sie handeln aus einer beobachtenden Grundhaltung heraus, im Vertrauen auf die Selbstregulation der Kinder und Jugendlichen und begegnen ihnen mit Akzeptanz, Wertschätzung und Annahme. Beispielsweise wird bei der Bewältigung innerer oder zwischenmenschlicher Konflikte den Kindern die Möglichkeit gegeben eigene Lösungen auszuprobieren. Dabei werden sie jedoch nicht alleingelassen, sondern von einem Pädagogen begleitet. Die Erwachsenen sorgen dafür, dass Regeln und Grenzen eingehalten werden, damit Verlässlichkeit und Stabilität im sozialen Miteinander entsteht.

Eine weitere Aufgabe ist die Dokumentation der Entwicklungsprozesse und die Zusammenarbeit mit den Eltern.

Darüber hinaus ist es wichtig sich selbst wohlzufühlen. Um seine Authentizität zu erhalten, müssen eigene Bedürfnisse und Grenzen wahrgenommen und reflektiert werden.

Die Mitarbeiter und die vorbereitete Umgebung können nicht alles kennen und können, was mein Kind lernen und wissen will! Was dann?

Kinder sind in solchen Fällen erstaunlich einfallsreich. Kreativ finden sie eine Lösung ihren Interessen auch in begrenztem Rahmen zu folgen. Dieser Weg kann unkonventionell im Sinne erwachsener Maßstäbe sein und muss nicht an diesen gemessen werden. Wie in anderen Fällen auch, wollen wir die Kinder in erster Linie darin unterstützen ihre eigenen Antworten auf die Fragen zu finden, die sie sich stellen. Dies kann unterstützt werden durch das Wissen der Erwachsenen und/oder die vorbereitete Umgebung. Letztlich gilt es jedoch das Kind darin zu begleiten, seinen eigenen Weg zu finden, auch wenn es um Interessen und die Dinge geht, die das Kind lernen will, welche in der Schule so nicht möglich sind. Zwar sind wir bemüht eine reichhaltige Erfahrungsumgebung zu schaffen, aber keine Schule kann alles ermöglichen. Das ist auch nicht unser Anspruch, sondern wir möchten für eine gewisse Zeit einen Ort zusätzlich zu der familiären Umgebung bieten, in denen die Kinder und Jugendlichen ihren Entwicklungsprozessen
folgen können. Ebenso wie die Schule als Lebensort, sehen wir die außerschulische Umgebung des Kindes als Mitgestalter der Lebenswelt der Kinder, auch wenn es darum geht Interessen und die Neugier der Kinder und Jugendlichen zu befriedigen. Zum einen kann das in Zusammenarbeit mit der Schule geschehen, z.B. in dem von Eltern oder anderen Erwachsenen Projekte, Kurse und Angebote am Nachmittag gemacht werden.

Was ist wenn mein Kind nicht genug lernt?

In dieser Frage steckt eine Erwartung, welche hinterfragt werden sollte, denn an welchem Maß bzw. welcher Norm soll dieses „genug“ gemessen werden? Handelt es sich um Wissen oder Fertigkeiten, bei denen erwartet wird, sie zu einem bestimmten Zeitpunkt zu können? Bietet die Schule nicht ausreichend Möglichkeiten für persönliche Entwicklung? Haben persönliche Krisen (z.B. emotionale Belastung, Trennung der Eltern etc.) und deren Verarbeitung den gleichen Stellenwert wie andere Aktivitäten und Wissenserwerb?

Wichtig ist hierbei immer der Austausch zwischen Kind-Eltern-Pädagogen, damit die verschiedenen Erwartungen abgeglichen werden können.

Wie sieht die Tagesstruktur aus?

Die Schule öffnet 8 Uhr und bis 9 Uhr können die Kinder und Jugendlichen ankommen. Die Kernschulzeit ist von 9 Uhr bis 13 Uhr. Anschließend können sie nach Hause gehen oder die Nachmittagsangebote nutzen. Es soll ein Ganztagsangebot entstehen, dass freiwillig genutzt werden kann. Neben der Möglichkeit in der Schule zu frühstücken (8 Uhr – 9.30 Uhr) gibt es zwischen 11.30 Uhr und 13 Uhr Mittagessen.

Arbeitet die Schule inklusiv?

Ja, unsere Schule ist für alle Kinder offen, deren Eltern unser Konzept unterstützen.

Damit sind alle Kinder mit ihren speziellen und allgemeinen Besonderheiten willkommen. Da wir uns an den Entwicklungsprozessen und Bedürfnissen der Kinder orientieren, werden Kinder nicht mit „der Norm“ verglichen. Deswegen findet bei uns keine Integration statt. Integration ist dann nötig, wenn ich Menschen an einer Norm vergleiche, die sie nicht erfüllen. An unserer Schule werden Menschen höchstens mit sich selbst verglichen und eigene Entwicklungsprozesse betrachtet.Wenn ein Ort geschaffen ist, an dem jeder nach seinen Fähigkeiten sich und seine Potentialen entwickeln und entfalten kann und so genommen und unterstützt wird, wie er gerade ist, dann ist Inklusion erreicht, da jeder unabhängig seines Leistungsstandes dazugehört.

Muss man Schulgeld zahlen?

Ja. Schulen in freier Trägerschaft werden nur zu etwa 60-70% der Gesamtkosten im Vergleich zu staatlichen Schulen finanziert. Die Folge ist, dass sich die Eltern an den Kosten für den Schulbetrieb beteiligen müssen. Nach dem aktuellen Urteil des Landesverfassungsgericht zum Gesetz der Schulen in freier Trägerschaft, in dem die aktuelle Finanzierungssituation als verfassungswidrig bewertet wurde, wird es in diesem Bereich zu Veränderungen kommen, bei der mit einer Verbesserung der Finanzierungssituation zu rechnen ist.

Durchschnittlich liegt der Elternbeitrag an anderen Freien Schulen bei 100-150€ pro Kind. Somit ist damit zu rechnen, dass das auch bei unserer Schule der Fall sein wird. Um allen Eltern unabhängig der familiären finanziellen Situation den Besuch der Schule zu ermöglichen, soll der Elternbeitrag einkommensabhängig gestaffelt werden. Oder die jährlich nötigen Kosten werden öffentlich gemacht und dann entscheidet jeder für sich, wie viel er geben kann und will und schreibt diesen Betrag auf einen Zettel, der geheim eingesammelt wird. Dies wiederholt sich solange bis alle Kosten gedeckt sind. Erfahrungen an anderen Schulen zeigen, dass dies ein gut funktionierendes Modell ist.

Welcher Abschluss kann an der Schule gemacht werden?

Das Ablegen der Prüfung ist an der Schule nicht möglich. Der Schulabschluss ist aber durch eine sogenannte Schulfremdenprüfung gegeben. Es gibt die Möglichkeit sich in der Schule auf den Haupt- oder Mittelschulabschluss vorzubereiten, ebenso wie auf das Abitur. Die staatliche Anerkennung und somit die Möglichkeit der schuleigenen Prüfung wird nicht angestrebt, da für die Anerkennung auch Unterricht stattfinden muss.

Gibt es an der Schule Noten?

Noten soll es an der Schule nicht geben. Die Entwicklung der Kinder wird individuell dokumentiert, in Elterngesprächen reflektiert und in einem halbjährlichen schriftlichen Bericht festgehalten. Tests können die Kinder und Jugendlichen freiwillig machen. Besonders in den oberen Jahrgängen können für eine Abschlussprüfung (Schulfremdenprüfung) vorbereitende Tests absolviert werden. Innerhalb der Schule haben die Noten aber keine Funktion. Bei einem Schulwechsel können den individuellen Entwicklungsberichten auch Noten in den unterschiedlichen Fächern zugeordnet werden, wenn dies nötig sein sollte.

Was ist wenn mein Kind die Schule wechseln muss?

Wenn ein Schulwechsel nötig oder gewollt sein sollte, wird mit den Eltern und dem Kind ein individueller Übergangsplan entworfen, um sich auf den Wechsel vorzubereiten. Zudem kann ein Notenzeugnis erstellt werden.

An unserer Schule gibt es die Möglichkeit in Eigenzeit und selbstverantwortlich zu lernen. Dadurch kann es sein, dass das Kind in einigen Bereichen nicht dem Leistungsstand der Regelschule entspricht, also in manchen Fächern „Defizite“ aufweist oder schon weiter ist. Ein Übergang ist nicht immer problemlos, aber Erfahrungen von anderen Schulen zeigen, dass von den meisten der Wechsel gut gemeistert wird und im Allgemeinen das „Aufholen“ gelingt.